Hanau-Gedenken 2026

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Delmenhorsterinnen und Delmenhorster,
wir sind heute hier, weil wir erinnern für die Zukunft.
Und weil wir wissen: Erinnern für die Zukunft ist keine Routine – Erinnern für die Zukunft ist Verantwortung.
Am 19. Februar 2020 hat ein Rechtsextremist in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Wir sagen ihre Namen, weil sie mehr sind als Zahlen und Schlagzeilen:
Gökhan Gültekin. Sedat Gürbüz. Said Nesar Hashemi. Mercedes Kierpacz. Hamza Kurtović. Vili Viorel Păun. Fatih Saraçoğlu. Ferhat Unvar. Kaloyan Velkov.

Diese Namen stehen für Leben, für Familien, für Zukunft. Und sie stehen für eine Wahrheit, die manche immer noch nicht aussprechen wollen: Hanau war rechter Terror.
Und heute, im Jahr 2026, müssen wir hinzufügen: Der Anschlag hat ein weiteres Opfer gefordert.
Der Überlebende Ibrahim Akkuş ist mit 70 Jahren an den Spätfolgen seiner Verletzungen gestorben. Die taz beschreibt, wie er nach dem Anschlag nicht nur körperlich litt, sondern auch gegen Einsamkeit und das Gefühl, vergessen zu werden, kämpfte.
Das sagt uns etwas, das wir nicht verdrängen dürfen:
Rechter Terror endet nicht, wenn die Kameras aus sind. Er wirkt weiter – in Körpern, in Seelen, in Familien. Und er wirkt auch weiter, wenn Betroffene alleine gelassen werden.
Deshalb reicht es nicht, einmal im Jahr betroffen zu sein. Wir müssen auch über die Gegenwart sprechen.
Denn rechte Gewalt ist nicht Vergangenheit – sie ist Alltag. Für 2025 wurden bundesweit 1.521 rechtsmotivierte Gewalttaten registriert – vorläufige Zahlen, Nachmeldungen möglich. Das sind mehr als vier rechte Gewalttaten pro Tag. 
Und jede einzelne dieser Taten passiert in einem Klima, das wir alle kennen:
wenn Menschen gegeneinander ausgespielt werden, wenn Abwertung salonfähig wird, wenn Hetze als „Debatte“ verkauft wird, wenn Betroffene sich erklären müssen – und Täter sich bestärkt fühlen.
Darum geht es heute auch um Konsequenzen.
Nach Hanau ist vieles nur ans Licht gekommen, weil Angehörige, Initiativen und Journalistinnen und Journalisten drangeblieben sind. Die Frankfurter Rundschau beschreibt genau das: kontinuierlich am Ball bleiben, Versäumnisse öffentlich machen, Perspektiven der Hinterbliebenen sichtbar halten. 
Das ist ein wichtiger Punkt:
Erinnern für die Zukunft darf nicht zur Entlastung von Institutionen werden.
Erinnern für die Zukunft muss unbequem sein – weil es Verantwortung einfordert: bei Behörden, in der Politik, in Medien, und auch bei uns selbst.
Was heißt das konkret?
Erinnern für die Zukunft heißt: nicht wegschauen.
Erinnern für die Zukunft heißt: rechter Hetze widersprechen – im Netz, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis.
Erinnern für die Zukunft heißt: Betroffene nicht allein lassen – nicht nur mit Worten, sondern mit Schutz, Beratung, Geld, Strukturen.
Und erinnern für die Zukunft heißt: gegen die Ursachen kämpfen – gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, gegen die Normalisierung rechter Ideologie.
Wir stehen heute hier in Delmenhorst und sagen:
Solidarität statt Spaltung.
Wir sind stärker, wenn wir zusammenhalten. Und wir sind glaubwürdig, wenn aus unserem Gedenken Handeln wird – morgen, nächste Woche, das ganze Jahr.
Zum Schluss bitte ich euch um einen Moment der Stille:
für die Ermordeten von Hanau,
für Ibrahim Akkuş,
für alle Betroffenen rechter Gewalt,
und für alle, die noch immer auf Gerechtigkeit warten.
Danke.

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